Archiv der Kategorie: Aktuelles

Herbstwanderung 2017 im Kallenborn

Ein herrlicher Spätsommertag, 21 bestens aufgelegte Kinder und der Naturpark Kallenborn: bei diesen Zutaten konnte es nur eine wunderschöne Lesewanderung werden. Für die Kinder hatte das schöne Wetter allerdings einen kleinen Nachteil, es wurde ihnen nicht schnell genug dunkel, um die mitgebrachten Taschenlampen zum Einsatz zu bringen.

Die 4 Begleitpersonen von der Bücherei wurden dieses Mal tatkräftig unterstützt von einem „echten“ Feuerwehrmann (Felix Feld), der die Kinder ganz besonders beeindruckte und auch unser Lagerfeuer bestens im Griff hatte und von Jolene Lambert, unserer neuen, jüngsten Mitarbeiterin im Bücherei-Team. Ein extragroßes Dankeschön an Euch beide.

Uns allen hat es wieder großen Spaß gemacht mit den Kindern.

Wir freuen uns schon auf die Lesenacht!

Lesen und Töpfern auf der Wiese

Schön war’s!!!! Bei herrlichem Sommerwetter trafen sich kreative Jungs und Mädchen zum Töpfern auf der Pfarrwiese.

Leider wird auch diese schöne Wiese als Hundetoilette von rücksichtslosen Hundehaltern missbraucht, so dass wir erstmal dafür sorgen mussten, dass die Kinder nicht in diese Hinterlassenschaften treten. Aber dann konnte es los gehen. Nachdem wir eine Geschichte von Eulen, Katern, Fledermäusen etc. gehört hatten, war schon klar, was ein häufiges Motiv sein wird. Aber die Jungs hatten natürlich auch noch ganz andere Ideen wie Radios und sonstige technischen Gerätschaften. Unter der fachkundigen Anleitung von Monika Giehr entstanden richtige schöne Werke!

Kindergeburtstag in der Bücherei

Am vergangenen Mittwoch hatten wir mal wieder einen Kindergeburtstag in der Bücherei. Das Geburtstagskind feierte auch im vorigen Jahr seinen Geburtstag bei uns. Während beim letzten Geburtstag noch die Dinosaurier das große Thema waren, stellten wir dieses Mal das Thema Fußball in den Mittelpunkt.

Zuerst wurde natürlich ein Buch mit Fußballgeschichten vorgelesen und dann kam ein gar nicht mal so einfaches Fußballquiz. Immer zwei Kinder bildeten ein Team und versuchten,  die Fragen schnellstmöglich zu beantworten.

Nach dieser Anstrengung mussten sich die Kinder dringend stärken, aber auch dies war zuerst mal eine Herausforderung. Das alte Spiel „Schokoladen-Essen“, wo es darum geht mit Mütze, Schal und vor allem Handschuhen sowie Messer und Gabel Schokolade zu essen – bis der nächste eine 6 würfelt –  machte den Kindern großen Spaß.

Die weiteren Leckereien konnten dann ganz normal und in Ruhe verspeist werden 🙂

(leider habe ich mal wieder vor lauter Begeisterung vergessen, Fotos zu machen)

Das schöne Wetter lockte uns anschießenden nach draußen. Auch hier hatten wir jede Menge Spiele vorbereitet. Da es ja sehr warm war, kamen auch ein paar Wasser Eimer zum Einsatz.

Den Kindern hat diese Geburtstagsfeier ganz offensichtlich Spaß gemacht – und Monika Giehr und mir auch 🙂

Patronatsfest und Bücherflohmarkt am 2. Juli 2017

Ein großes Dankeschön und ein herzliches Vergelt’s Gott

sagen wir allen Gästen unseres Patronatsfestes am vergangenen Sonntag. Es war wieder einmal ein schöner Anlass zur Begegnung und zu angenehmen Gesprächen in unserer Pfarrgemeinde. Auch von dem Angebot beim Bücherflohmarkt wurde reger Gebrauch gemacht.

Der ansehnliche Erlös aus diesem Tag wird für neue Kinderbücher in der Bücherei verwendet. Für die vielen neuen kleinen Leseratten muss der Medienbestand immer wieder aktualisiert werden.

Ein besonderer Dank geht an alle Spender für das Kuchenbüffet und die herzhaften Kleinigkeiten.

Der Pfarrgemeinderat und das Bücherei-Team

Mercè Rodoreda – Der Garten über dem Meer

Mercè Rodoreda – Der Garten über dem Meer

Lesetipp von Monika Giehr

Merce Rodoreda, die große katalanische Schriftstellerin, starb 1983. Die vorliegende Erzählung „der Garten über dem Meer“ wurde 2016 erstmals ins Deutsche übersetzt.
Die Geschichte spielt in den späten 20er Jahren in einem herrschaftlichen Anwesen. Der Gärtner lebt auf dem Anwesen und kümmert sich liebevoll und kenntnisreich um die Pflanzen im Park. Dabei beobachtet er die reichen Besitzer. Durch seine Augen erlebt der Leser die Geschichte des jungen Paares Francesc und Rosamaria, das zuerst noch beneidenswert glücklich scheint. Im Laufe der Jahre entstehen allerdings immer tiefere Risse in der Idylle…
Es ist eine leise und melancholische Erzählung, sie handelt vom Blühen und Vergehen von Liebe und Leben.

Auf jeden Fall lesenswert!

 

Benedikt Wells: Vom Ende der Einsamkeit

Buchtipp des Monats – Mai –

Benedikt Wells: Vom Ende der Einsamkeit

Der Vom Ende der Einsamkeitachtjährige Jules ist der Ich-Erzähler in Benedict Wells’ neuem Roman. Er lebt mit seinen beiden älteren Geschwistern ein behütetes Leben bis seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen. Die Geschwister kommen in ein staatliches Internat, sie verlieren die Bindung zueinander und werden sich fremd. Aus dem kleinen, selbstbewussten Jules wird ein zutiefst unsicherer Einzelgänger. Zwar findet er in seiner Mitschülerin Alva seine große Liebe, verliert sie aber nach der Schulzeit, weil er ihr seine Gefühle nicht offenbaren kann. So viel sei gesagt: Sie begegnen sich wieder, allerdings ist Alva da bereits verheiratet.

Der Roman von Benedict Wells hat mich zutiefst beeindruckt. Über dreißig Jahre begleitet der Leser die drei Geschwister in ihrem Leben. Es geht um Angst, Verlust und Einsamkeit, um die Frage, wie man durch’s Leben kommt, wenn man in so jungen Jahren beide Eltern verliert.

„Wie kann ein 31-Jähriger ein so unfassbar trauriges Buch schreiben?“ wurde Benedikt Wells gefragt. „Unfassbar traurig“ trifft es für mich eigentlich nicht, aber die Charaktere sind so tiefgehend gezeichnet, dass die Geschichte beim Leser noch lange nachwirkt.

Gefühlte 100 Sätze hätte ich mir in diesem Buch markieren wollen, um sie immer wieder zu lesen. Benedict Wells ist einfach ein herausragender, wundervoller Erzähler. Für mich ein Buch, dass man gelesen haben muss.

„Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird.“

Juli Zeh: Unterleuten

Juli Zeh: Unter Leuten

„Manchmal kann die Idylle auch Unterleutendie Hölle sein. Wie das Dorf „Unterleuten“ irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist … Mit „Unterleuten“ hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?“

Mit „Unterleuten“ ist Juli Zeh nicht nur ein großartiger Gesellschaftsroman gelungen.

Es ist ein sprachliches Meisterwerk, dabei fesselnd wie ein Thriller. Ich musste das Buch zweimal lesen, beim ersten Mal zog es mich wie ein Sog durch die Geschichte, das zweite Mal wollte ich in erste Linie die grandiose Sprache genießen.

Juli Zeh hat einen Roman geschrieben, der sich einfach nicht zwischen zwei Buchdeckel pressen lässt, nein, das Dorf Unterleuten „lebt“, wie man hier www.unterleuten.de feststellen wird.

„Unterleuten“ gehört zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe (oder ist es sogar das Beste?)

Raquel J. Palacio: Wunder

Raquel J. Palacio: Wunder

Wunder

August, genannt Auggie, ist ein 10-jähriger Junge und er ist etwas Besonderes. Durch einen doppelten Gen-Defekt ist sein Gesicht sehr entstellt. „Ich weiß, dass ich kein normales zehnjähriges Kind bin. Ich meine, klar, ich mache normale Sachen. Ich esse Eis. Ich fahre Fahrrad. Ich spiele Ball. Ich habe eine Xbox. Solche Sachen machen mich normal. Nehme ich an. Und ich fühl mich normal. Innerlich. Aber ich weiß, dass normale Kinder nicht andere normale Kinder dazu bringen, schreiend vom Spielplatz wegzulaufen … Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer.“

Er hat bereits über zwanzig Operationen hinter sich. Aus diesem Grund war er auch bisher noch in keiner Schule, sondern wurde von seiner Mutter zu Hause unterrichtet. Das soll sich jetzt ändern, Auggie soll in eine öffentliche Schule.

Das Buch erzählt Auggies erstes Schuljahr aus dessen eigener Perspektive, aber auch aus Sicht seiner Schwester und einiger Freunde.

„Ich gebe zu, an Augusts Gesicht muss man sich erst gewöhnen. Ich sitze jetzt seit zwei Wochen neben ihm, und sagen wir mal, er ist nicht gerade der sauberste Esser der Welt. Aber davon abgesehen ist er ziemlich nett. Ich sollte wohl auch noch sagen, dass er mir gar nicht mehr groß leid tut. Das hat mich vielleicht beim ersten Mal dazu gebracht, mich neben ihn zu setzen, aber es ist nicht der Grund, weshalb ich immer noch bei ihm sitze. Ich bin bei ihm sitzen geblieben, weil es lustig ist mit ihm.“

Und wie natürlich an allen Schulen gibt es auch in dieser Geschichte Kinder, die mobben, die in Auggie das perfekte „Opfer“ finden und natürlich Eltern, die sich da auch noch einmischen müssen.

Das Buch hat mich unglaublich berührt. Bücher sind dann gute Bücher, wenn sie etwas in uns auslösen, uns dazu anregen, unser Verhalten mal aus anderer Sicht betrachten. Wie reagiere ich auf Menschen mit solchen Auffälligkeiten? Von Kindheit an lernt man, nicht hinzu“starren“, also schaue ich schnell – erschrocken – weg? Auggie sagt uns, was er davon hält.

„Wunder“ ist ein wunderbares Buch. Ok, am Ende gerät es etwas nah an die Honiggrenze, wird etwas hollywoodmäßig (aber es stört nicht 😉 ).

In seiner Jahresabschlussrede fordert der Direktor von Auggies Schule, „immer ein wenig freundlicher zu sein als unbedingt nötig“. Tu ich das jetzt als Kalenderweisheit ab oder ist es vielleicht doch alltagstauglich? Man könnte es ja mal probieren….

Das Buch ist ein All-Age-Roman, es wird an manchen Schulen als Klassenlektüre bereits in der 5. Klasse behandelt. Also unbedingt lesen und weiterempfehlen 🙂

Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte

Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte

erschienen am 27. Mai 2016, 288 Seiten

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Der Roman von Celeste Ng führt uns in das Amerika der 70er Jahre. Lydia, die 16jährige Tochter erscheint nicht zum Frühstück und wird wenige Tage später tot aus einem See geborgen. Die Familie, Vater, Mutter und zwei Geschwister sind geschockt, viele Fragen tauchen auf. Wurde sie ermordet oder war es Selbstmord? Oder war doch alles ganz anders?

Vor unseren Augen entsteht das Bild einer Familie, in der vieles verschwiegen wird, Dinge nur halb gesagt wird, dem anderen nur halb zugehört wird. Schweigen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Was wissen diese Familienmitglieder eigentlich voneinander?

Der Vater ist in Amerika geboren, seine Eltern waren chinesische Einwanderer. Sich anpassen, nur ja nicht auffallen ist sein ganzes Bestreben. Er schafft es zum College-Professor – Integration geglückt? Seine Frau war vor ihrer Ehe Medizin-Studentin, längst noch nicht selbstverständlich für die 50er Jahre. Ihr Wunsch war es auszubrechen aus der vorgefertigten Schablone einer Frau ihrer Zeit. Stattdessen heiratet sie, wird schwanger und projiziert all ihre Wünsche und Ziele mit Nachdruck auf ihre Lieblingstochter Lydia.

Die Geschichte wird aus den Blickwinkeln der verschiedenen Familienmitglieder erzählt, jeder von ihnen legt natürlich seine eigenen Maßstäbe an. Celeste Ng erzählt vorsichtig, abwägend, aber dennoch kraftvoll und hat mich voll in ihren Bann gezogen.

Für mich war dieses Buch mit seiner Vielschichtigkeit ein Lesehighlight in diesem Jahr und ich bin sehr gespannt auf weitere Bücher aus der Feder von Celeste Ng.

Celeste Ng (sprich: Ing) wuchs auf in Pittsburgh, Pennsylvania und in Shaker Heights, Ohio. Ng studierte in Harvard und machte ihren Master an der University of Michigan. Sie schrieb Erzählungen und Essays, die in verschiedenen literarischen Magazinen erschienen und mit dem Hopwood Award und dem Pushcart Prize ausgezeichnet wurden. ‚Was ich euch nicht erzählte‘ ist ihr erster Roman, ein New York Times-Bestseller, der, vielfach prämiert, in 20 Sprachen übersetzt wurde und auch verfilmt wird.

Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken

Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken

Löwen wecken

Der Neurochirurg Etan überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben -warum also die Karriere gefährden und den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft. Verschärfend kommt hinzu, dass die Ehefrau des Arztes mit der Ermittlung in diesem Fall betraut ist.

Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet. Etan wollte sein seine Karriere, sein Familienleben nicht aufs Spiel setzen – und setzte am Ende sich selbst auf’s Spiel.

Handelt es sich nun eher um einen Krimi oder einen Gesellschftsroman – auf jeden Fall ist es ein literarisches Kleinod.

Lesen!!!

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch gerne den ersten Roman der Autorin „Gute Nacht, Markowitz“ empfehlen, der mit Lebensklugheit und sprachlich bestechender Leichtigkeit überzeugt.