Archiv der Kategorie: Lesetipps

Raquel J. Palacio: Wunder

Raquel J. Palacio: Wunder

Wunder

August, genannt Auggie, ist ein 10-jähriger Junge und er ist etwas Besonderes. Durch einen doppelten Gen-Defekt ist sein Gesicht sehr entstellt. „Ich weiß, dass ich kein normales zehnjähriges Kind bin. Ich meine, klar, ich mache normale Sachen. Ich esse Eis. Ich fahre Fahrrad. Ich spiele Ball. Ich habe eine Xbox. Solche Sachen machen mich normal. Nehme ich an. Und ich fühl mich normal. Innerlich. Aber ich weiß, dass normale Kinder nicht andere normale Kinder dazu bringen, schreiend vom Spielplatz wegzulaufen … Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer.“

Er hat bereits über zwanzig Operationen hinter sich. Aus diesem Grund war er auch bisher noch in keiner Schule, sondern wurde von seiner Mutter zu Hause unterrichtet. Das soll sich jetzt ändern, Auggie soll in eine öffentliche Schule.

Das Buch erzählt Auggies erstes Schuljahr aus dessen eigener Perspektive, aber auch aus Sicht seiner Schwester und einiger Freunde.

„Ich gebe zu, an Augusts Gesicht muss man sich erst gewöhnen. Ich sitze jetzt seit zwei Wochen neben ihm, und sagen wir mal, er ist nicht gerade der sauberste Esser der Welt. Aber davon abgesehen ist er ziemlich nett. Ich sollte wohl auch noch sagen, dass er mir gar nicht mehr groß leid tut. Das hat mich vielleicht beim ersten Mal dazu gebracht, mich neben ihn zu setzen, aber es ist nicht der Grund, weshalb ich immer noch bei ihm sitze. Ich bin bei ihm sitzen geblieben, weil es lustig ist mit ihm.“

Und wie natürlich an allen Schulen gibt es auch in dieser Geschichte Kinder, die mobben, die in Auggie das perfekte „Opfer“ finden und natürlich Eltern, die sich da auch noch einmischen müssen.

Das Buch hat mich unglaublich berührt. Bücher sind dann gute Bücher, wenn sie etwas in uns auslösen, uns dazu anregen, unser Verhalten mal aus anderer Sicht betrachten. Wie reagiere ich auf Menschen mit solchen Auffälligkeiten? Von Kindheit an lernt man, nicht hinzu“starren“, also schaue ich schnell – erschrocken – weg? Auggie sagt uns, was er davon hält.

„Wunder“ ist ein wunderbares Buch. Ok, am Ende gerät es etwas nah an die Honiggrenze, wird etwas hollywoodmäßig (aber es stört nicht 😉 ).

In seiner Jahresabschlussrede fordert der Direktor von Auggies Schule, „immer ein wenig freundlicher zu sein als unbedingt nötig“. Tu ich das jetzt als Kalenderweisheit ab oder ist es vielleicht doch alltagstauglich? Man könnte es ja mal probieren….

Das Buch ist ein All-Age-Roman, es wird an manchen Schulen als Klassenlektüre bereits in der 5. Klasse behandelt. Also unbedingt lesen und weiterempfehlen 🙂

Buchtipps

Mercè Rodoreda – Der Garten über dem Meer

Lesetipp von Monika Giehr

Merce Rodoreda, die große katalanische Schriftstellerin, starb 1983. Die vorliegende Erzählung „der Garten über dem Meer“ wurde 2016 erstmals ins Deutsche übersetzt.
Die Geschichte spielt in den späten 20er Jahren in einem herrschaftlichen Anwesen. Der Gärtner lebt auf dem Anwesen und kümmert sich liebevoll und kenntnisreich um die Pflanzen im Park. Dabei beobachtet er die reichen Besitzer. Durch seine Augen erlebt der Leser die Geschichte des jungen Paares Francesc und Rosamaria, das zuerst noch beneidenswert glücklich scheint. Im Laufe der Jahre entstehen allerdings immer tiefere Risse in der Idylle…
Es ist eine leise und melancholische Erzählung, sie handelt vom Blühen und Vergehen von Liebe und Leben.

Auf jeden Fall lesenswert!

 

Y uval Noah Harari – Eine kurze Geschichte der Menschheit

Mit Geschichtsbüchern ist das ja so eine Sache :), sie können ganz schön dröge daherkommen – als einfache historische Faktensammlung oder so wie hier: gleichermaßen lehrreich wie unterhaltsam.

Der erst 38jährige israelische Universalprofessor legt mit diesem Buch eine brillante Anaylse des Handelns unserer Spezies in den letzten 70.000 Jahren vor. Ein Buch, das einen unglaublich in seinen Bann zieht, einem in vielerlei Hinsicht auch die Augen öffnen kann, wie wir zu dem Punkt gekommen sind, an dem wir heute stehen.

Aber so sagt er:

„Trotz unserer erstaunlichen Leistungen haben wir nach wie vor keine Ahnung, wohin wir eigentlich wollen, und sind so unzufrieden wie eh und je.“

ZEIT WISSEN bringt es auf den Punkt:

„Yuval Noah Harari schreibt präzise, klug – und vor allem so, dass man gar nicht aufhören will zu lesen. Dieses Buch lässt Hirne wachsen“.

Jetzt freue ich mich schon auf auf sein zweites Buch: Homo Deus

Dass ich auf diesen Titel stieß, verdanke ich übrigens unserem Urlaub auf Gran Canaria vor einigen Monaten. Ständig und überall hielten Männer wie Frauen dieses Buch in der Hand.

Welch ein Glück, dass diese Menschen nicht auf EReadern lasen! Das ist leider ein kleiner Nachteil von EReadern, man sieht nicht mehr, was die Menschen lesen und viele nette, spontan entstehende Gespräche kommen gar nicht mehr zustande.

Beide Bücher natürlich bei uns in der Bücherei 🙂

 

 

Mechtild Borrmann – Trümmerkind

erschienen im November 2016; 304 Seiten

Klappentext: In ihrem neuen Roman „Trümmerkind“ beschreibt die mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Bestseller-Autorin Mechtild Borrmann das Leben eines Findelkinds im vom Krieg zerstörten Hamburg von 1946 / 1947. Spannung und historisches Zeitgeschehen miteinander zu verknüpfen, versteht Borrmann, die auch für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert war, wie keine andere deutsche Autorin. Dies stellt sie mit ihren Bestsellern „Wer das Schweigen bricht“, „Der Geiger“ und „Die andere Hälfte der Hoffnung“ (alle auch bei uns in der Ausleihe) und ihrem neuen Roman „Trümmerkind“ eindrucksvoll unter Beweis.

Der kleine Hanno Dietz schlägt sich mit seiner Mutter im Hamburg der Nachkriegsjahre durch. Steine klopfen, Altmetall suchen, Schwarzhandel – das ist sein Alltag. Eines Tages entdeckt er in den Trümmern eine Tote – und etwas abseits einen etwa dreijährigen Jungen, der erstaunlich gut gekleidet ist. Das Kind spricht kein Wort, Verwandte sind nicht auffindbar. Und so wächst das Findelkind bei den Dietzens auf. Jahre später kommt das einstige Trümmerkind durch Zufall einem Verbrechen auf die Spur, das auf fatale Weise mit seiner Familie verknüpft ist …“

Eine bis heute nicht aufgeklärte Mordserie in Hamburg, die sog. Trümmermorde aus dem Jahre 1947, inspirierten Mechtild Borrmann zu ihrem Roman. Die Polizei suchte mit 50.000 Plakaten vergeblich in allen vier Besatzungszonen nach Angehörigen der aufgefundenen Toten. Zufällig stieß Mechtild Borrmann auf den Fall und war sogleich elektrisiert: „Weil mich fasziniert hat, dass diese Menschen nie identifiziert worden sind. Diese Toten haben bis heute keine Namen, man weiß nicht, wo die herkamen. Dann hatte ich das dringende Bedürfnis, denen eine Identität zu geben, wenn auch nur eine fiktive.“

Weiter sagte Mechtild Borrmann in einem Interview: „Ich verstehe meine Bücher schon auch als Information. Ich schreibe bewusst Unterhaltungsliteratur, ich möchte Leute unterhalten, aber ich möchte auch etwas transportieren.“

Für ihren Roman sprach die Autorin mit Zeitzeugen, wälzte Akten des Hamburger Staatsarchivs und hat die entsprechenden Schauplätze besucht.

Das Buch ist richtig packend und bewegend; die Autorin versteht es in besonderer Weise Stimmungen und Situationen zu beschreiben.

 

In diesem Monat gibt es gleich eine Trilogie als Buchtipp des Monats.

Diese Empfehlung und Buchbesprechung stammt wieder aus der Feder unserer Leserin Frigga Johann.

Vielen herzlichen Dank für diese besondere Empfehlung.

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Jane Gardam – Ein untadeliger Mann

Empfehlung von Frigga Johann

Die fast 90jährige engliche Schriftstellerin Jane Gardam hat mit ihrem Buch „Ein untadeliger Mann“ nun auch die deutschen LeserInnen erreicht. In ihrer Heimat ist sie für ihr reiches und vielschichtiges Schaffen schon lange bekannt, beliebt und mehrfach ausgezeichnet. Mit dem untadeligen Mann, einem Kronanwalt des britischen Empire ist ihr ein wunderbares Buch gelungen. Edward Feathers, spöttisch Old Filth genannt, Gentlement vom Scheitel bis zur Sohle, aber auch ganz groß in der Verdrängung von Schmerz und chaotischen Lebensverhältnissen, beginnt nach dem Tod seiner Frau Betty an seinem Verdrängungsmechanismus zu rütteln. Er erkundet quasi zusammen mit dem Leser sein Leben. So erfährt man, dass Old Filth eine Raiy-Waise war und was er fürchterliches erlebt hat. Und weil das Buch mit ganz viel Empathie geschrieben ist, kommt es dennoch nicht traurig daher. Im Gegenteil, das Buch zaubert einem öfter ein Lächeln oder Schmunzeln ins Gesicht. Einfach lesenswert!

Verlagsmitteilung:
Alles an Edward Feathers ist ohne Fehl und Tadel seine Garderobe, seine Manieren und sein Ruf als Anwalt mit glänzender Karriere in Hongkong. Nun ist er alt und muss mit dem Tod seiner Frau Betty zurechtkommen, so wie er immer mit allem zurechtgekommen ist. Seine perfekte Haltung täuscht alle und manchmal sogar ihn selbst. Doch mit Bettys Tod bricht etwas in ihm auf, und behutsam beginnt Feathers, vergangene Ereignisse ans Licht zu holen. An einem kalten englischen Wintermorgen setzt er sich ans Steuer seines Wagens und fährt los, das eigene Leben zu erkunden … Jane Gardam wurde 1928 in North Yorkshire geboren. Als einzige Schriftstellerin wurde sie gleich zweimal mit dem Whitbread/Costa Award ausgezeichnet. Mit „Ein untadeliger Mann“ stand sie auf der Shortlist des Orange Prize und mit „Letzte Freunde“ auf der Shortlist des Folio Prize 2013. Sie ist Fellow der Royal Society of Literature und lebt in East Kent.

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Gardam, Jane – Eine treue Frau

Empfehlung von Frigga Johann

Der 2. Band der Triologie von Jane Gardam! Er liest sich so leicht und schmunzelnd wie der erste Band „Ein untadeliger Mann“. Geschildert wird auf gleichen Zeitebenen wie im ersten Band, die Geschichte von Old Filth und seiner Frau Betty, diesmal aus Bettys Sicht. Angefangen von dem überaus korrekten Heiratsantrag, der Begegnung mit Old Filths schlimmstem Feind bis zum Vergraben einer Perlenkette ist dieses Buch ein wahres Vergnügen!!!

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Jane Gardam – Letzte Freunde

Empfehlung von Frigga Johann

Doppelbödig, fesselnd, witzig, böse, anrührend, so hat DIE ZEIT über die Triologie von Jane Gardam geschrieben. Und dem ist aus meiner Sicht eigentlich nichts hinzuzufügen. Hauptperson des 3. Bandes ist Terry Veneering, der ärgste Rivale von Old Filth, beruflich wie privat. Beide sind hervorragende Juristen, sind Gegner in vielen Prozessen und hassen einander bereits, bevor sie sich in die gleiche Frau verlieben. Das Buch beginnt nachdem die „Titanen nicht mehr waren. Sie ihre letzte Reise angetreten haben“. Erzählt wird diesmal aus der Perspektive der überlebenden Freunden. Auch hier liebvoll geschildert und manchmal urkomisch. Mein Tipp, in den ersten beiden Büchern nicht nur die Hauptpersonen beachten. Die 3 Bücher können sicher auch in unterschiedlicher Reihenfolge gelesen werden, aber gerade der 3. und damit letzte Band, der zeitlich auch später spielt, beschließt die Geschichte. Lesenswert!!!

 

 

Kristin Hannah – Die Nachtigall

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Die Autorin war mir bisher eher für leichte, unterhaltsame Frauenromane bekannt. Ihr neu erschienener Roman „Die Nachtigall“, in dem sie sich zum ersten Mal einem historischen Stoff widmet, findet so beachtliche Aufmerksamkeit, dass ich richtig neugierig auf dieses Buch wurde.

Kristin Hannah entwirft ein erschütterndes Portrait der Nazi-Besetzung Frankreichs. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden Schwestern Vianne und Isabelle, die auf den ersten Blick völlig unterschiedlich sind. Während Vianne nach der Einberufung ihres Mannes versucht, sich unauffällig zu verhalten, um ihre Tochter zu schützen, geht Isabelle in den Widerstand. Gerade auch diese so unterschiedlichen Beschreibungen von Stärke und Mut der beiden Protagonistinnen machen das Buch so lesenswert.

Die bildhafte Erzählweise von Kristin Hannah lässt uns hautnah die Gräueltaten der Nazis miterleben. Der Hunger, die Kälte, die allgegenwärtige Angst wird auf so erschreckende Weise spürbar, als wäre man selbst mitten im Geschehen. Und es wird einem bewusst, wie zerbrechlich das Leben ist, wie wichtig ein geeintes Europa für den Frieden in Europa ist.

Es ist ein eindringliches Buch gegen das Vergessen. Gerade auch angesichts der aktuellen Situation von Flüchtlingen müssen wir uns bewusst sein, was aus menschenverachtenden Parolen entstehen kann.

Hinweis: Auf dem Innencover befindet sich eine Karte Frankreichs mit der Demarkationslinie und auch der beschwerliche Pfad, auf dem Isabelle abgeschossene Piloten über die Pyrenäen nach Spanien brachte, ist eingezeichnet.

 

Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken

Löwen wecken

Der Neurochirurg Etan überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben -warum also die Karriere gefährden und den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft. Verschärfend kommt hinzu, dass die Ehefrau des Arztes mit der Ermittlung in diesem Fall betraut ist.

Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet. Etan wollte sein seine Karriere, sein Familienleben nicht aufs Spiel setzen – und setzte am Ende sich selbst auf’s Spiel.

Handelt es sich nun eher um einen Krimi oder einen Gesellschftsroman – auf jeden Fall ist es ein literarisches Kleinod.

Lesen!!!

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch gerne den ersten Roman der Autorin „Gute Nacht, Markowitz“ empfehlen, der mit Lebensklugheit und sprachlich bestechender Leichtigkeit überzeugt.

 

 

 

 

Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte

erschienen am 27. Mai 2016, 288 Seiten

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Der Roman von Celeste Ng führt uns in das Amerika der 70er Jahre. Lydia, die 16jährige Tochter erscheint nicht zum Frühstück und wird wenige Tage später tot aus einem See geborgen. Die Familie, Vater, Mutter und zwei Geschwister sind geschockt, viele Fragen tauchen auf. Wurde sie ermordet oder war es Selbstmord? Oder war doch alles ganz anders?

Vor unseren Augen entsteht das Bild einer Familie, in der vieles verschwiegen wird, Dinge nur halb gesagt wird, dem anderen nur halb zugehört wird. Schweigen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Was wissen diese Familienmitglieder eigentlich voneinander?

Der Vater ist in Amerika geboren, seine Eltern waren chinesische Einwanderer. Sich anpassen, nur ja nicht auffallen ist sein ganzes Bestreben. Er schafft es zum College-Professor – Integration geglückt? Seine Frau war vor ihrer Ehe Medizin-Studentin, längst noch nicht selbstverständlich für die 50er Jahre. Ihr Wunsch war es auszubrechen aus der vorgefertigten Schablone einer Frau ihrer Zeit. Stattdessen heiratet sie, wird schwanger und projiziert all ihre Wünsche und Ziele mit Nachdruck auf ihre Lieblingstochter Lydia.

Die Geschichte wird aus den Blickwinkeln der verschiedenen Familienmitglieder erzählt, jeder von ihnen legt natürlich seine eigenen Maßstäbe an. Celeste Ng erzählt vorsichtig, abwägend, aber dennoch kraftvoll und hat mich voll in ihren Bann gezogen.

Für mich war dieses Buch mit seiner Vielschichtigkeit ein Lesehighlight in diesem Jahr und ich bin sehr gespannt auf weitere Bücher aus der Feder von Celeste Ng.

Celeste Ng (sprich: Ing) wuchs auf in Pittsburgh, Pennsylvania und in Shaker Heights, Ohio. Ng studierte in Harvard und machte ihren Master an der University of Michigan. Sie schrieb Erzählungen und Essays, die in verschiedenen literarischen Magazinen erschienen und mit dem Hopwood Award und dem Pushcart Prize ausgezeichnet wurden. ‚Was ich euch nicht erzählte‘ ist ihr erster Roman, ein New York Times-Bestseller, der, vielfach prämiert, in 20 Sprachen übersetzt wurde und auch verfilmt wird.

 

Raquel J. Palacio: Wunder

Wunder

August, genannt Auggie, ist ein 10-jähriger Junge und er ist etwas Besonderes. Durch einen doppelten Gen-Defekt ist sein Gesicht sehr entstellt. „Ich weiß, dass ich kein normales zehnjähriges Kind bin. Ich meine, klar, ich mache normale Sachen. Ich esse Eis. Ich fahre Fahrrad. Ich spiele Ball. Ich habe eine Xbox. Solche Sachen machen mich normal. Nehme ich an. Und ich fühl mich normal. Innerlich. Aber ich weiß, dass normale Kinder nicht andere normale Kinder dazu bringen, schreiend vom Spielplatz wegzulaufen … Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer.“

Er hat bereits über zwanzig Operationen hinter sich. Aus diesem Grund war er auch bisher noch in keiner Schule, sondern wurde von seiner Mutter zu Hause unterrichtet. Das soll sich jetzt ändern, Auggie soll in eine öffentliche Schule.

Das Buch erzählt Auggies erstes Schuljahr aus dessen eigener Perspektive, aber auch aus Sicht seiner Schwester und einiger Freunde.

„Ich gebe zu, an Augusts Gesicht muss man sich erst gewöhnen. Ich sitze jetzt seit zwei Wochen neben ihm, und sagen wir mal, er ist nicht gerade der sauberste Esser der Welt. Aber davon abgesehen ist er ziemlich nett. Ich sollte wohl auch noch sagen, dass er mir gar nicht mehr groß leid tut. Das hat mich vielleicht beim ersten Mal dazu gebracht, mich neben ihn zu setzen, aber es ist nicht der Grund, weshalb ich immer noch bei ihm sitze. Ich bin bei ihm sitzen geblieben, weil es lustig ist mit ihm.“

Und wie natürlich an allen Schulen gibt es auch in dieser Geschichte Kinder, die mobben, die in Auggie das perfekte „Opfer“ finden und natürlich Eltern, die sich da auch noch einmischen müssen.

Das Buch hat mich unglaublich berührt. Bücher sind dann gute Bücher, wenn sie etwas in uns auslösen, uns dazu anregen, unser Verhalten mal aus anderer Sicht betrachten. Wie reagiere ich auf Menschen mit solchen Auffälligkeiten? Von Kindheit an lernt man, nicht hinzu“starren“, also schaue ich schnell – erschrocken – weg? Auggie sagt uns, was er davon hält.

„Wunder“ ist ein wunderbares Buch. Ok, am Ende gerät es etwas nah an die Honiggrenze, wird etwas hollywoodmäßig (aber es stört nicht 😉 ).

In seiner Jahresabschlussrede fordert der Direktor von Auggies Schule, „immer ein wenig freundlicher zu sein als unbedingt nötig“. Tu ich das jetzt als Kalenderweisheit ab oder ist es vielleicht doch alltagstauglich? Man könnte es ja mal probieren….

Das Buch ist ein All-Age-Roman, es wird an manchen Schulen als Klassenlektüre bereits in der 5. Klasse behandelt. Also unbedingt lesen und weiterempfehlen 🙂

 

Juli Zeh: Unterleuten

„Manchmal kann die Idylle auch Unterleutendie Hölle sein. Wie das Dorf „Unterleuten“ irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist … Mit „Unterleuten“ hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?“

Mit „Unterleuten“ ist Juli Zeh nicht nur ein großartiger Gesellschaftsroman gelungen.

Es ist ein sprachliches Meisterwerk, dabei fesselnd wie ein Thriller. Ich musste das Buch zweimal lesen, beim ersten Mal zog es mich wie ein Sog durch die Geschichte, das zweite Mal wollte ich in erste Linie die grandiose Sprache genießen.

Juli Zeh hat einen Roman geschrieben, der sich einfach nicht zwischen zwei Buchdeckel pressen lässt, nein, das Dorf Unterleuten „lebt“, wie man hier www.unterleuten.de feststellen wird.

„Unterleuten“ gehört zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe (oder ist es sogar das Beste?)

 

Buchtipp des Monats – Mai –

Benedikt Wells: Vom Ende der Einsamkeit

Der Vom Ende der Einsamkeitachtjährige Jules ist der Ich-Erzähler in Benedict Wells’ neuem Roman. Er lebt mit seinen beiden älteren Geschwistern ein behütetes Leben bis seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen. Die Geschwister kommen in ein staatliches Internat, sie verlieren die Bindung zueinander und werden sich fremd. Aus dem kleinen, selbstbewussten Jules wird ein zutiefst unsicherer Einzelgänger. Zwar findet er in seiner Mitschülerin Alva seine große Liebe, verliert sie aber nach der Schulzeit, weil er ihr seine Gefühle nicht offenbaren kann. So viel sei gesagt: Sie begegnen sich wieder, allerdings ist Alva da bereits verheiratet.

Der Roman von Benedict Wells hat mich zutiefst beeindruckt. Über dreißig Jahre begleitet der Leser die drei Geschwister in ihrem Leben. Es geht um Angst, Verlust und Einsamkeit, um die Frage, wie man durch’s Leben kommt, wenn man in so jungen Jahren beide Eltern verliert.

„Wie kann ein 31-Jähriger ein so unfassbar trauriges Buch schreiben?“ wurde Benedikt Wells gefragt. „Unfassbar traurig“ trifft es für mich eigentlich nicht, aber die Charaktere sind so tiefgehend gezeichnet, dass die Geschichte beim Leser noch lange nachwirkt.

Gefühlte 100 Sätze hätte ich mir in diesem Buch markieren wollen, um sie immer wieder zu lesen. Benedict Wells ist einfach ein herausragender, wundervoller Erzähler. Für mich ein Buch, dass man gelesen haben muss.

„Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird.“

Lesetipp „Liebste Fenchel“ von Peter Härtling

Liebste Fenchel! Das Leben der Fanny Hensel-Mendelssohn in Etüden und Intermezzi.
von Peter Härtling

Wer kennt ihn nicht, zumindest dem Namen nach, Felix Mendelssohn-Bartholdy, ein musikalisches Genie. Was aber die Wenigsten wissen ist, dass er eine nicht minder begabte ältere Schwester hatte, nämlich Fanny, von ihm liebevoll Fenchel genannt. Über diese bemerkenswerte Person hat Peter Härtling eine Romanbiographie geschrieben, eine Mischung aus verbrieften Fakten und erfundenen Geschichten.
Besagte Fanny wächst in einem großbürgerlichen Haushalt auf und da ist Komponieren nichts für Frauen. So sehen es besonders der Vater und auch der Bruder. Was dazu führt, dass der Bruder gefördert und unterstützt wird. Fanny aber nimmt das gelassen hin und unterstützt ihrerseits ihren geliebten Bruder wo immer sie kann. Zwischen den Geschwister besteht seit der Kindheit eine innige Verbundenheit. Fanny selbst wird in ihrer musikalischen Begabung insbesondere von ihrem Ehemann unterstützt. So kommt es, dass sie irgendwann für die sonntäglichen Hauskonzerte der Familie Mendelssohn komponiert und diese auch dirigiert. Fanny reist gerne und ist mit einigen großen Künstlern ihrer Zeit in Freundschaft verbunden.
Peter Härtling schildert dieses Leben in sehr poetischen Worten. Er stellt insbesondere die große geschwisterliche Liebe von Fanny und Felix in den Mittelpunkt seiner Erzählung.
Auch wenn man sich beim Lesen bisweilen vielleicht wünscht, Fanny würde aufbegehren , so fesselt das Buch doch durch die große Sympathie, die der Autor seiner Hauptfigur entgegen bringt.

Mein Fazit: lesenswert!

Dieser Lesetipp wurde von Frigga Johann verfasst. Vielen Dank!

 

Lesetipp – John Hart: Das letzte Kind – Das eiserne Haus

John Hart
John Hart

Nachdem ich bei dem letzten Lesetipp über das „Autorenduo“ Lars Keppler berichtete, die Spezialisten für die sogenannten Schwedenkrimis sind, in denen psychopatische Serienmörder ihr Unwesen treiben und in denen eigentlich immer klar ist, wer die Guten und wer die Bösen sind, habe ich jetzt mit John Hart einen Autor gefunden, in dessen Werken das nicht immer so klar ist.

In „Das letzte Kind“ und „Das eiserne Haus“ agieren keine strahlenden Helden, eher einsame und verzweifelte Wölfe, die trotz aller Fehler positiv und sympathisch rüberkommen, stehen hierbei im Mittelpunkt des Geschehens.

John Hart ist ein amerikanischer Autor, der zuvor als Rechtanwalt und Aktienbroker gearbeitet hat, bevor er anfing Thriller zu schreiben. Heute lebt er in North Carolina und Virginia und schreibt „full-time“.

Zu den beiden Büchern:

Das letzte KindIm Mittelpunkt des „letzten Kindes“ steht der 13-jährige Johnny. Vor einem Jahr verschwand seine ihm total ähnlich sehende Zwillingsschwester Alyssa spurlos; kurz darauf verlässt sein Vater die Familie.
Dadurch hat sich das Leben total verändert. Seine Mutter kann den Verlust nicht ertragen, ohne sich durch Drogen und Alkohol zu betäuben, und dabei vergisst sie, sich um Johnny zu kümmern. Sie flüchtet sich in eine Beziehung zu einem gewalttätigen Mann.
Doch Johnny hat die Mission, um jeden Preis seine Schwester zu finden. Um dieses Ziel zu erreichen, stürzt er sich in unbedachte Abenteuer. Er beschattet freigelassene Sexualstraftäter und ist damit erfolgreicher als Detective Hunt, der ebenfalls vom Verschwinden der Zwillingsschwester stark betroffen ist. Es werden entsetzliche Verbrechen aufgedeckt und am Schluss erfüllt sich die Freundschaft zwischen Johnny und dem „letzten Kind“.

Das eiserne HausZwei kleine Brüder, Michael und Julian, werden an einem eisigen Bach ausgesetzt. Sie kommen in  ein Waisenhaus und müssen um ihr Leben kämpfen, denn im „eisernen Haus“ herrschen ganz harte Sitten und die Erzieher kümmern sich kaum um die Kinder. Michael ist stark und kann sich durchsetzen, während Julian schwach ist und von seinen Mitbewohnern angegriffen, misshandelt, gequält und gedemütigt wird. Seine Seele droht zu zerbrechen, obwohl Michael alles tut, um ihm zu helfen. Die beiden Kinder werden dann von einem Senatorehepaar adoptiert. Kurz vor der Abholung eskaliert die Misshandlung von Julian und er ersticht seinen Peiniger. Michael nimmt die Schuld auf sich und flieht.
Die Wege trennen sich scheinbar unwiderruflich. Julian wächst in Wohlstand und Luxus auf und wird zum erfolgreichen Kinderbuchautor, wobei er aber nie sein Kindheitstrauma überwinden kann. Michael findet ebenfalls einen väterlichen Freund, der allerdings ein gefährlicher Mafia-Pate ist. Michael wird ein äußerst erfolgreicher, gefürchteter Profikiller. Mit der Liebe seines Lebens möchte er einen Ausstieg finden und ein neues Leben beginnen. Doch die ehemaligen Mafiakollegen wollen das auf keinen Fall zulassen.

Beide Werke sind sehr spannend geschrieben und es ist schon faszinierend, wie zum Teil brutale Charaktere mit so viel Sympathie gezeichnet werden, wie John Hart es hier tut. Finstere Welten, jedoch nicht ohne Lichtstrahlen; knallharte Gestalten, jedoch nicht ohne einen guten Kern; actionreichen Geschichten, jedoch mit positiven Ende.

John Hart
John Hart

Nach den Schwedenkrimis fand ich bei John Hart eine wunderbare Abwechslung und kann Ihnen die Werke nur wärmstens ans Herz legen.

Kommen Sie in die Bücherei und greifen Sie nach John Hart.

Über einen Kommentar als Feedback würde ich mich sehr freuen.

Tipp – Schwedenkrimis – Lars Kepler

Der SandmannDen letzten Lesetipp hatte ich ja über den Schwedenkrimi „Verschwörung“ von David Lagercrantz, geschrieben. Der gefiel mir so gut, dass ich jetzt gleich zwei andere Schwedenkrimis , diesmal von Lars Kepler und zwar den „Sandmann“ und „Ich jage dich“ gelesen habe. Dies sind Band vier und Band fünf der Joona Linna-Serie.

Lars Kepler hört sich ziemlich deutsch an, ist aber eine Pseudonym Lars Keplerfür das schwedische Autorenehepaar Alexandra Coelho Ahndorin und Alexander Ahndorin. Der Name Lars Kepler ist eine Hommage an zwei Menschen. Der Vorname Lars kommt von dem schwedischen Krimiautor Stieg Larsson – und hier schlägt sich eine Brücke zur Verschwörung von David Lagercrantz, dem Nachfolgeautor eben dieses Stieg Larsson. Der Nachname Kepler wurde zu Ehren des deutschen Wissenschaftlers Johannes Kepler gewählt, der eine Reihe bahnbrechender Entdeckungen in der Astronomie und anderen Wissenschaftsgebieten machte. Das Autorenpaar lebt heute mit ihren drei Töchtern in Stockholm, gerade einen Steinwurf vom schwedischen Scotland Yard entfernt.

Wer ist nun Joona Linna? Er ist ein charismatischer finnisch-schwedischer Chief Inspector der Schwedischen Polizei. Der große, nordische, brilliante Ermittler, der wenig sagt, aber alles sieht und registriert, hat selbst eine schmerzhafte Vergangenheit, die im Sandmann thematisiert wird. Dieses, sein eigenes spezifisches Trauma treibt ihn dazu an, mit allen Mitteln Gerechtigkeit für die Opfer zu suchen.

Er ist ein hochangesehener, professioneller Detektiv, der aber auch unkonventionelle, oft fragwürdige Methoden anwendet, um seine Fälle zu lösen.

In beiden Werken geht es um psychopathische Serienmörder, die durch traumatische Erlebnisse in ihrer Kindheit zu Ich jage dichpersönlichkeitsgespaltenen Verbrechern werden. Im „Sandmann“: Gelingt es Jurek Walter trotz extrem strenger Sicherheitsverwahrung bestialische Morde zu begehen? Im Buch „Ich jage dich“ ist es ein Stalker, der brutale Morde an jungen, hübschen Frauen verübt, wobei man nicht weiß, wer wird denn überhaupt gestalkt und was ist das Motiv für die Morde.

Beide Romane enden mit einem furiosen, aktionsreichen Finale, in denen sowohl Joona Linna aber auch die Gegenspieler enorme Fähigkeiten sowohl intellektueller als auch körperlicher Art beweisen.

Ich habe alle Bände der Serie gelesen. Dennoch lässt das Autoren-Duo wichtige Fragen offen, die in zukünftigen Romanen beantwortet werden können:

  • Ist Jurek Walter wirklich tot?
  • Was wird aus Saga Bauer?
  • Bleibt Joona Linnas Tochter Lumi unbelästigt?
  • Wie ergeht es Jonna Linna im Gefängnis?

Wenn Sie sehr spannende, aktionsreiche Schwedenkrimis lieben, die man kaum aus der Hand legen kann, kommen Sie in die KÖB und leihen Sie sich die Bücher von Lars Kepler aus:

  • Der Hypnotiseur
  • Paganinis Fluch
  • Flammenkinder
  • Der Sandmann
  • Ich jage dich

Über ein Feedback in einem Kommentar würde ich mich sehr freuen.

Tipp – David Lagercrantz – Die Verschwörung

VerschwörungMeine Eindrücke:

Ich habe mit der Lektüre eigentlich ein wenig voreingenommen begonnen; denn die Rezensionen waren nicht gerade sehr positiv. So hat das Buch zurzeit bei Amazon lediglich 3,3 von 5 Sternen. Die Beschreibungen sind sehr stark gestreut von einem Punkt (sehr negativ) bis zu fünf Punkten (überwältigend gut). Ich habe mit meiner Frau darüber diskutiert und wir waren uns einig, dass die Vorgeschichte zu berücksichtigen ist. So waren die Vorgänger des Buches, die Trilogie um die Zeitung „Millennium“, ihren Star-Investigativ-Journalisten Mikael Blomkvist und seine „etwas schräge Freundin“ Lisbeth Salander, Welterfolge sowohl als Bücher als auch als Filme.

Der Autor dieser „Millennium“-Trilogie, Stieg Larsson, war aber schon vor der Veröffentlichung am 9. November 2004 verstorben. Er hatte eine Buchreihe von 10 Bänden geplant von denen der vierte Band zu einem guten Teil fertiggestellt war. Die Familie von Stieg Larsson wünschte 2004 nicht, dass der vierte Band von einem anderen Autor zu Ende geschrieben und veröffentlicht wird.

Und jetzt hat es doch ein bisher unbekannter Autor, David Lagercrantz, in 2014 „gewagt“, den vierten Band ohne Beteiligung der Lebensgefährtin von Stieg Larsson und auch ohne Verwendung des unvollendeten vierten Manuskripts zu schreiben und als freistehende Fortsetzung mit den Romanfiguren Larssons zu veröffentlichen. Obwohl die Familie dem zustimmte, löste dies im Vorfeld der Veröffentlichung der „Verschwörung“ einen medialen Aufstand aus.

Daher rühren wohl auch die stark schwankenden Bewertungen bei Amazon und meine eigene Voreingenommenheit.

Zum Inhalt:

Mikael Blomqvist, dem Star-Reporter der Zeitschrift „Millennium“, geht es nicht gut, denn er wird von seinen Kollegen medial zerrissen und die Konkurrenz plant die Übernahme der Zeitung.

Derweil hockt Lisbeth Salander trotz ihres enormen Vermögens in ihrer bescheidenen Wohnung und leistet sich einen Hackerkrieg mit der NSA.

In diesem Zusammenhang taucht der schwedische Wissenschaftler Frans Balder, eine Koryphäe auf dem Gebiet der „Künstlichen Intelligenz“ und sein autistischer Sohn August auf.

Es wird eine internationale „Verschwörung“ aufgedeckt, in die die NSA und die russische Mafia verwickelt sind, wobei der autistische Junge Frans Balder, ein Savant, aus meiner Sicht zum Star des Romans wird.

Ich habe auch die ersten drei Bücher von Stieg Larsson gelesen und nach meiner Einschätzung ist die „Verschwörung“ eine würdige Fortsetzung der Trilogie. Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. „Verschwörung“ ist ein spannender, sehr ereignisreicher Krimi und ich freue mich auf ein mögliches Wiedersehen mit Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander in einem fünften Band. Meine Voreingenommenheit war grundlos.

Sollten Sie also die Vorgängerbände von Stieg Larsson

gelesen haben, kommen Sie in die Bücherei und leihen Sie sich unbedingt auch die Fortsetzung

von David Lagercrantz aus

oder beginnen Sie einfach mit der Trilogie.

Über ein Feedback in einem Kommentar würde ich mich sehr freuen.

Tipp – Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt – Die Menschen, die es nicht verdienen

„Wie h5259128500001Zieß das Flaggschiff mit dem Christoph Kolumbus 1492 Amerika entdeckte?“
„Wofür steht die Abkürzung NATO?
60 derartige Fragen stellt „Sven Cato“ seinen Opfern. Wer davon keine 20 richtig beantworten kann, muss sterben. Seine Opfer findet er unter den C-Promis, Teilnehmern an zweifelhaften Casting-Shows, Doku-Soaps etc., die zu Vorbildern hochstilisiert werden, ohne es zu verdienen. Er setzt sich zum Ziel, auf die Verdummung der Gesellschaft und den Niedergang von Bildung aufmerksam zu machen. Sebastian Bergman will den Mörder auf seine eigene unkonventionelle Art aus der Reserve locken und ihn mit seinen eigenen Mitteln schlagen.
Wieder ein sehr spannender Krimi um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman und das Team der Reichsmordkommission, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat.
Jetzt heißt es wieder Warten auf den nächsten Band, denn dieser endete wieder mal mit einem Cliffhanger, der es in sich hat…

Ein Muss für alle Sebastian-Bergman-Fans und solche, die es werden wollen 🙂

Die Bücher der „Sebastian Bergman“ – Reihe im Überblick:
Band 1: Der Mann, der kein Mörder war
Band 2: Die Frauen, die er kannte
Band 3: Die Toten, die niemand vermisst
Band 4: Das Mädchen, das verstummte
Band 5: Die Menschen, die es nicht verdienen

alle bei uns in der Ausleihe!

Tipp – Regina Scheer – Machandel

MachandelVerlagsinformation: Ein großer Familien- und Generationenroman über die DDR und wie sie unterging. Regina Scheer spannt in ihrem beeindruckenden Debütroman den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten, von Erstarrung und Enttäuschung, von dem hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen

Mein Eindruck:

Als ich zum ersten Mal Regina Scheers Debüt-Roman „Machandel“ (niederdeutsches Wort für Wacholder), in Händen hielt, dachte ich zuerst nur: „Noch ein „Wende-Roman“.

Aber Regina Scheer versteht es in sehr gekonnter Weise, die Geschichte der DDR und besonders die der DDR-Bürger, lebendig und vor allem für Außenstehende verständlich zu machen. Regina Scheer lässt 5 Personen als Ich-Erzähler zur Wort kommen und so entsteht ein Bild deutscher Geschichte(n) aus dem vergangenen Jahrhundert, das mich wirklich sehr gefangen nahm.

Klare Leseempfehlung  für alle an deutscher Geschichte Interessierten

Tipp – Finderlohn

FinderlohnIch möchte hier meine Eindrücke zum neuen „Kriminalroman“ von Stephen King, dem King of Horror schildern.

Zum Inhalt die Verlagsinformationen:

„Besessen bis zum Mord“

„John Rothstein hat in den Sechzigern drei berühmte Romane veröffentlicht, seither aber nichts mehr. Morris Bellamy, ein psychopathischer Verehrer, ermordet den Autor aus Wut über dessen „Verrat“. Seine Beute besteht aus einer großen Menge Geld und einer wahren Fundgrube an Notizbüchern, die auch unveröffentlichte Romane enthalten. Bellamy vergräbt vorerst alles – und wandert dummerweise für ein völlig anderes Verbrechen in den Knast. Jahre später stößt der Junge Peter Saubers auf den „Schatz“. Nach seiner Haftentlassung kommt Bellamy dem ahnungslosen Peter auf die Spur und macht Jagd auf ihn. Kann Bill Hodges, den wir als Detective a. D. aus Mr. Mercedes kennen, den Wahnsinnigen stoppen?“

In diesem sehr spannenden Roman wird gezeigt, was Bücher mit uns anstellen können, welche Macht Literatur und das gedruckte Wort im Allgemeinen besitzen und dass Menschen manchmal den Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit nicht mehr erkennen können.

„Ein Liebesbrief an die Freuden des Lesens und die amerikanische Literatur“ The Washington Post

Stephen King’s Geschichten sind unglaublich bildhaft und sprachgewaltig geschrieben; man sieht ihn mit einem Zwinkern im Auge vor sich. Der Leser freundet sich mit den Charakteren an, lebt und leidet mit ihnen. Die Bösen hasst man abgrundtief und trotzdem steckt in ihnen auch oft ein kleiner guter Kern. (in Morris ein sehr kleiner).

Finderlohn ist kein Horrorroman. Es ist ein Kriminalroman mit einer atemberaubenden Jagd am Ende.

MaMr Mercedesn kann den Roman auch lesen ohne das Vorgängerbuch „Mr. Mercedes“ gelesen zu haben, aber die Zusammenhänge um Mr. Hodges, Holly und Jerome werden danach etwas klarer.

Kommen Sie in die KOEB und leihen Sie sich die beiden Romane „Mr. Mercedes“ und „Finderlohn“ aus und freuen Sie sich über spannende, unterhaltsame Stunden in Ihrem Lesesessel.

Ich hoffe, es gibt bald einen dritten Band um Mr. Hodges, Holly und Jerome (und Brady). „Klack“(verstehen Sie am Ende von Finderlohn)

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