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Wann lesen wir was

4. März 2020: Hanns-Josef Ortheil – Die Erfindung des Lebens

Verlagsinformation:

“Die Erfindung des Lebens” ist die Geschichte eines jungen Mannes von seinen Kinderjahren bis zu seinen ersten Erfolgen als Schriftsteller. Als einziges Kind seiner Eltern, die im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit danach vier Söhne verloren haben, wächst er in Köln auf. Die Mutter ist stumm geworden, und auch ihr letzter Sohn lebt stumm an ihrer Seite. Nach Jahren erst kann er sich aus der Umklammerung der Familie lösen, in Rom eine Karriere als Pianist beginnen und nach deren Scheitern versuchen, mit dem Schreiben sein Glück zu machen …

 

5. Februar 2020: Theodor Fontane – Der Stechlin

Verlagsinformation:

Fontanes “Stechlin” ist ein kunstvoll funkelnder Roman über das Selbstverständnis des Adels am Ausgang des 19. Jahrhunderts. Hauptperson ist der märkische Junker Dubslav von Stechlin, dessen Sohn Woldemar eine Tochter des Berliner Grafen Barby heiratet. In den glanzvollen Dialogen und Reflexionen seiner Figuren spiegelt Fontanes Spätwerk die ganze Zerrissenheit seiner Zeit. Der Roman war wegen seiner äußeren Handlungsarmut zunächst umstritten, inzwischen gilt er als “eines der weisesten Spiele, die mit der deutschen Sprache gespielt wurden ” (Thomas Mann).

 

 

8. Januar 2020: Susan Kreller – Pirasol

 

Medienprofile:
Gwendolins unbeschwerte Kindheit währt nur kurze Zeit, bevor ihre musi-schen, freigeistigen Eltern Opfer des Rassenwahns des 20. Jh. werden. Mithilfe einer entschlossenen, aber spröden Nachbarin überlebt das Mädchen, ent-behrt aber Geborgenheit und Ansprechpartner. Erbe der Eltern sind die Liebe zur Musik und Literatur, durch die der verlorene Vater präsent bleibt. In um-sichtiger Vorsorge konnte dieser seine Tochter noch einem Kameraden empfehlen, der eine berufliche Schule unterhält, wo Gwendolin erwachsen wird und einen wesentlich älteren, wohlhabenden Papier-fabrikbesitzer kennenlernt, von dem sie sich ehelichen lässt und die Villa Pirasol bezieht. Das Paar be-kommt einen Sohn, der beginnt, die tabuisierte Geschichte seiner Verwandten väterlicherseits zu hin-terfragen, da er sich für die Umstände der Zwangsarbeiter während der NS Zeit interessiert. Dieser Tabubruch führt zum unausgesprochenen Bruch zwischen Vater und Sohn, der von da ab gequält und gedemütigt wird. Gwendolin leidet und kann nur hilflos zuschauen, wie ihr Kind sich widrigen Umstän-den zum Trotz in die Fremde absetzt. Rückblickend wird die Erzählung auf drei Ebenen erzählt: Das Heranwachsen Gwendolins während “der Zeit der Verirrten” (der Nationalsozialismus oder der Zweite Weltkrieg werden nie explizit erwähnt), die Zeit der Ehe und das Zusammensein mit dem Jungen und die Lebensphase als Witwe, in der es Gwendolin schafft, das Erlebte und Erlittene einzuordnen, zu verarbeiten und schließlich Sprache dafür zu finden. Susan Kreller gelingt es, immer verständlich, stilistisch sensibel, mit feinsinnigen Bildern und hochspannend die Geschichte einer Frau zu entwirren, die für die Geschichte einer Generation, eines Landes und einer Familienstruktur steht, aus der es sich zu befreien galt und gilt. Ein literarisches Kunstwerk, herausragend.