Winfried Franz empfiehlt:
„Gussie“ von Christoph Wortberg
Auguste Adenauer, die zweite Frau von Konrad Adenauer
Der Roman beginnt am Ende Gussies Leben. Sie liegt 1948 im Krankenhaus von Köln und weiß, dass sie sterben wird. Sie sorgt sich um ihren Mann, der zum zweiten Mal Witwer wird und um ihre Kinder. Sie blickt zurück auf ihr Leben mit Adenauer. Da ist vor allen eine Sache, die sie belastet, ihren Verrat an ihm. 1944 sollte Adenauer im Zuge der Verhaftungswelle nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler verhaftet werden. Er entzieht sich der Verhaftung, indem er sich im Westerwald versteckt. Darauf wird Gussie verhaftet und nach tagelangen Verhören sowie Drohungen ihren Kindern Schlimmes anzutun, gibt sie das geheime Versteck ihres Mannes preis. „.. Was geschehen ist, lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Nur ein einziges Mal haben sie darüber geredet, der Rest war Schweigen. Sie haben sich beide geschämt, jeder auf seine Art…“
Gussie erinnert sich an den Anfang ihrer Beziehung. Adenauer verliebt sich in die junge Gussie, nachdem seine Frau zuvor verstorben war. „…Nun schweigen endlich die Waffen. Da draußen eine untergegangene Welt und in mir ein blühender Garten. Und der Grund dafür, wertes Fräulein Zinsser, sind allein sie. ..“ Gussie verliebt sich in diesen Mann, obwohl er über 20 Jahre älter ist als sie und bereits drei erwachsene Kinder hat. Die Familie ist gegen die Verbindung, doch Gussie setzt sich durch, unterstützt allein von ihrem Vater.
Das Zusammenleben mit Adenauer ist nicht immer einfach: Adenauer ist ein schweigsamer, zurückhaltender, introvertierter Mensch, sie ein lebenfroher, unternehmungslustiger Typ, der gerne tanzt.
Ein unterhaltsamer Roman über eine außergewöhnliche Frau.